Über die Weimarer Beiträge

Ein transdiziplinärer Blick auf die Gegenwart und ihre Literatur braucht eine Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften:

Literaturwissenschaft: Die Weimarer Beiträge konzentrieren sich auf Geschichte und Gegenwart der modernen deutschsprachigen Literatur, fördern aber auch die Annäherung der Einzelphilologien und werfen übergreifende Fragen der Literaturtheorie und Literaturgeschichtsschreibung auf.

Ästhetik: Die Zeitschrift ist seit langem ein Forum literaturwissenschaftlich relevanter Ästhetik-Debatten, in denen formgeschichtliche, strukturanalytische, semiotische, rezeptionstheoretische und wahrnehmungsorientierte Ansätze diskutiert werden.

Kulturwissenschaften: Zum Profil gehören kulturhistorische und zeitdiagnostische Erkundungen, in denen der komparatistische und intertextuelle Blickwinkel inter- und transmedial erweitert wird und die Beziehungen zu anderen Künsten ebenso diskutiert werden wie die sich medial wandelnden Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Literatur.

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Die Weimarer Beiträge wurden 1955 auf Initiative der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar von den Herausgebern Louis Fürnberg und Hans-Günther Thalheim gegründet und haben sich bald mit dem Ziel einer transdisziplinären und komparatistischen Öffnung der Germanistik als Zeitschrift für Germanistik, Ästhetik und Kulturtheorie profiliert.

Seit den frühen 1960er Jahren versuchten sich in der Zeitschrift verschiedene theoretische Ansätze, methodische Zugangsweisen und grundsätzliche Diskussionen gegen weltanschaulichen Dogmatismus zu behaupten. Die Weimarer Beiträge haben einen wesentlichen Anteil an der Herausbildung einer eigenständigen Kulturtheorie in der DDR, die sich noch vor ähnlichen Diskursgründungen im Westen Deutschlands in Leipzig, Berlin und Jena als universitärer Studiengang etabliert hat. Im Problemhorizont einer allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft wurden angrenzende Gebiete und aktuelle soziokulturelle, ästhetische und gesellschaftspolitische Aspekte und Kontexte einbezogen. Die Zeitschrift trug dabei wesentlich zur Vernetzung der deutschsprachigen mit der internationalen Forschungs- und Debattenkultur bei.

Der Anspruch der Zeitschrift wurde auch nach dem Ende der DDR aufrechterhalten, das die Zeitschrift kritisch begleitet hat. Die Weimarer Beiträge haben eine Geschichte, die ihr eine bestimmte Verpflichtung auferlegt: die ehrliche und sachliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR-Literatur und den Literatur- und Kulturwissenschaften dieser Zeit, die deren historische Widersprüche analysiert und ihre produktiven Seiten nicht ignoriert. Zugleich bleibt die Zeitschrift offen für die Herausforderungen der Gegenwart.

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Die Weimarer Beiträge sind keine literarische Zeitschrift, aber auch kein Forum für abstrakte Konzeptionsmonologe. Den Zugang zum Allgemeinen eröffnet die konkrete Analyse. Dabei ist die Zeitschrift stets bestrebt, der Methodenvielfalt literaturwissenschaftlicher, ästhetischer und kulturtheoretischer einschließlich medienhistorischer Forschung Raum zu geben. Die Verhältnisse von Literaturwissenschaft und Ästhetik wie auch von Literatur- und Medientheorie und -geschichte sind erst als spannungsvolle Wechselverhältnisse produktiv. Sie verlangen transdisziplinäre Öffnung und historische Vergewisserung. So ist die Digitalisierung der Kultur nur zu erkennen, wenn eine Medienkulturwissenschaft an die Stelle einer technologisch dominierten Medientheorie tritt. Dieser Aufgabe sieht sich auch unsere Zeitschrift verpflichtet.

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Michael Franz
Philosophische Ästhetik in den »Weimarer Beiträgen«
Beitrag

Dieter Schade
Interview mit dem ehemaligen Redaktionssekretär der »Weimarer Beiträge«, Hans-Ulrich Schnurchel
Beitrag

Die Weimarer Beiträge erscheinen vierteljährlich im Passagen Verlag

Herausgegeben von Peter Engelmann gemeinsam
mit Michael Franz und Daniel Weidner

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